Bordeaux Grand Cru - alles, was Sie über Bordeaux vor dem Kauf wissen müssen

 

Liebe Weinfreunde,

Die Grand Cru Classé aus Bordeaux zählen schon seit jeher als Inbegriff für hohe Weinkunst, großartige Qualität, noblen Charakter - und mitunter auch für eine gehobene Preislage. Aber was macht den edlen Charakter (und den Preis!) bei diesen Weinen aus? Warum macht das Herz bekennender Weinliebhaber einen Hüpfer vor Begeisterung und Vorfreude, wenn die Namen Lafite, Rothschild, St. Émilion oder Pomerol genannt werden?

Ob sich der Kauf dieser Weine lohnt - obwohl sich diese Frage quasi schon von selbst beantwortet -, worauf Sie beim Kauf unbedingt achten sollten und mit welchem Gaumen-Kino Sie für Ihren Mut belohnt werden können, das alles verraten wir Ihnen heute. 



Beginnen wir zunächst mit einer kleinen Reise in die Vergangenheit ...

... genauer gesagt ins Jahr 1855. Wir befinden uns in Bordeaux. Der Weinhandel floriert. Die großen Châteaus verkaufen ihre Weine sehr gut, sowohl in Frankreich selbst, als auch als Exportschlager nach Deutschland, Italien und Spanien. Gerade in Spanien zeigt sich ein gewisser Marques de Riscal in Rioja regelrecht erbost darüber, dass Spanien noch nichts mit der großen Qualität seiner eigenen Trauben anzufangen weiß. Er wird deshalb zum Initiator für eine ganz eigene, neue Art an Qualitätsweinen, die den Bordeaux-Weinen nachempfunden und hochwertig ausgebaut werden. Seine Philosophie und Weine wurde so zum Vorbild für alle großen, nachfolgenden Weingüter aus Rioja wie Muga, Baron de Ley und andere.

Ein großes Ereignis warf seine Schatten voraus: die Weltausstellung in Paris. Und Napoleon Bonaparte III. suchte noch nach einem besonderen Etwas, mit dem er Frankreich - und natürlich damit auch nicht unwesentlich sich selbst - in den Augen der Welt in einem ganz besonderen Glanz erstrahlen lassen könnte. Vielleicht war ihm der Gedanke bei einem Glas Bordeaux-Wein gekommen, das ist leider nicht überliefert, aber er entschloss sich dazu, die Bordeaux-Häuser zu klassifizieren.     

 

Das Problem: wie erstellt man eine gute Klassifizierung?!?

Napoleon Bonaparte III. war kein Freund langer und komplexer Überlegungen. Warum auch. Dafür gab es doch Fachleute. Also übergab er diese schwere Aufgabe den fachkundigsten Menschen auf diesem Gebiet: der Handelskammer. Aber dieser Versuch scheiterte schlicht und einfach an der Tatsache, dass sich die Herrschaften trotz Modelle und schweißtreibender Überlegungen nicht auf ein Classement einigen konnten. Also gab man die Aufgabe an die weiter, die es einfach wissen mussten, weil buchstäblich jede Flasche einzeln durch ihre Hände ging: die Weinmakler. Und die hatten sehr schnell eine Klassifizierung auf die Beine gestellt.

Wie das möglich war? Ganz einfach: die Weine wurden nach den Verkaufspreisen der letzten 100 (!) Jahre eingeteilt. Denn was teuer ist, musste ihrer Meinung nach in der Regel ja auch gut sein. Auch die Reputation der Domaine und der Besitzstand kamen hinzu. Wohlhabende Häuser mit prestigeträchtigen Grundstücken hatten also gute Chancen, ganz vorne in der Première Grand Cru dabei zu sein. 

An dieser Stelle sei gesagt, dass es ein Haus gab, das es nach den damaligen Bewertungskriterien durchaus verdient hätte, mit den ganz großen Namen in der ersten Klasse zu stehen. Lediglich eine jugendliche, wilde Liebelei verhinderte das - und führte zu der bis heute einzigen Änderung dieser Klassifizierung. Die Rede ist von Mouton Rothschild, der bis 1973 in der dritten Grand Cru-Klasse stand und erst nach dem Jahrzehnte andauernden Kampf geadelt wurde. Was genau passiert ist? Dazu lesen Sie am besten unseren Bordeaux-Beitrag im Weinblog, den wir am Ende für Sie verlinken. 

 

Besonderheit in mehrfacher Hinsicht: Saint-Émilion

Diese Region hat nicht nur mit Abstand die höchste Anzahl an produzierten Flaschen, sondern war zu Anfang komplett als Grand Cru klassifiziert. Da eine größere Menge auch etwas niedrigere Preise ermöglicht, war der Zugang zu einem Grand Cru so am leichtesten. Doch sehr schnell war die Nachfrage kaum noch zu befriedigen. Die Folge: es wurde alles geernetet, was auch nur annähernd nach Trauben aussah. Daraus entstanden, Sie können es sich sicher gut vorstellen, furchtbare Weine mit grünen und unreifen Akzenten, die weit weg von dem Charme waren, den ein Grand Cru besitzen sollte. 

Und so lieferten sie Munition für eine Diskussion und ein Aufbegehren von genau den Weingütern, die es 1855 nicht in die Grand Cru geschafft hatten oder die es schlichtweg zu dem Zeitpunkt noch nicht gegeben hatte. Je schlimmer die Jahrgänge aus dem völlig überforderten Saint Émilion wurden, umso lauter wurde der Ruf nach einer eigenen Klasse: die Geburtsstunde der Cru Bourgeois! Und diese werden regelmäßig neu klassifiziert! Auch im Saint-Émilion wird seit 1954 alle 10 Jahre eine Neu-Klassifizierung der Grand Crus vorgenommen. Eine absolute Besonderheit!

 

Was aber macht einen Bordeaux Grand Cru heute so besonders?

Die wichtigste Tatsache vielleicht vorweg: die Zeiten haben sich (stark) verändert. Eine Gallionsfigur, die für Bordeaux sehr wichtig war, Robert Parker (dazu mehr in unserem Bordeaux-Weinblog-Beitrag) ist in Rente. Die Konsumenten frodern heute mehr Transparenz z. B. in Sachen Ausbau, Bio-Lesegut. Und kaum noch jemand möchte 10 Jahre warten, bis der Château Lafite reif genug ist, um ihn zu öffnen. Lebte Bordeaux früher von tanninbetonten Weinen, die über die Jahre der Lagerung ihre Feinheit und Eleganz behutsam aufbauen konnten, so bevorzugen Weinkonsumenten heute eine leicht fruchtbetontere Stilistik, die aber trotzdem unverkennbar vom Charakter des Terroirs wie Margaux oder Pomerol geprägt sein soll.

Grand Cru-Weine können gelagert werden, teiweise fordern sie sogar unnachgiebig einige Jahre für sich ein, bevor sie sich öffnen. Ein Grand Cru bringt Kraft und Nobless ins Glas, zeigt das handwerkliche Können, das von Generation zu Generation weitergereicht wurde. Die hohe Qualität der Trauben, die Besonderheiten jedes einzelnen Jahrgangs und die Spielarten, mit denen die Winzer in Sachen Fassausbau heute begeistern können, machen jeden neuen Jahrgang zu einem absoluten Vergnügen und eine unvergessliche Entdeckungsreise.

 

Für echte Feinschmecker: die Bordeaux "Zweitweine"!

"Weine zweiter Klasse?" Wen die Preislage der klassifizierten Bordeauxweine abschrecken sollte, für den lohnt sich der Blick auf die sogenannten "Zweitweine". Sie entstehen auf dem gleichen Château. Die Trauben haben qualitativ die gleichen Vorzüge wie das Lesegut des Erstweins. Worin sie sich unterscheiden, ist zuweilen das Alter der Rebstöcke, die Selektion der Trauben und der Ausbau. Ein höherer Anteil an Trauben von jüngeren Rebstöcken verleiht den Weinen etwas mehr Frische und spontane Frucht. Minimale Anteilsverschiebungen in der Trauben-Cuvée können den Wein geschmeidiger werden lassen.

Nehmen wir an, der Ausbau des Erstweins erfolgt noch zu 100% in frischen Barriques, die nach 6 Monaten getauscht werden (weil dann der höchste Anteil an Tannin auf den Wein übergegangen ist) und in den 2 Jahren der Lagerung auf dem Weingut vor Verkauf wird das insgesamt viermal vorgenommen (was bei einem Stückpreis von ca. 600,- € pro 255-Liter-Fass ein teures Vergnügen wird). Ein solcher Wein ist schon allein von der Kostenstruktur höher angesetzt und bringt deutliche Tannin-Tendenzen durch die lange Fassreife in frischen Fässern mit sich. Entscheidet sich der Winzer aber für einen Ausbau von nur 6 Monate frisches Barrique, dem er eine Reifezeit in gebrauchten Barriques anschließen lässt, wird der Wein abgerundet, bekommt aber kein üppiges Tannin. Kurz: die Bordeaux-Zweitweine zeigen sich früher trinkbar, wirken oft geschmeidig und leicht fruchtbetonter, brauchen keine lange Lagerzeit mehr im Keller und sind oft deutlich günstiger.

"Zweitwein" steht hier also nicht für einer mindere Qualität gegenüber den bekannten Grand Cru-Erstweinen. Sie bilden vielmehr eine ganz eigene Klasse an Genuss-Erlebnis, die aktuell und in den nächsten Jahren immer mehr in den Fokus rücken werden. Der Gründe dafür liegen auf der Hand: die Preise der Grand Cru und auch der Cru Bourgiose sind förmlich explodiert. Da liegen die Zweitweine in einem angenehmen Preissegment. Außerdem bieten sie zudem geschmacklich wundervolle Weine mit Tiefgang, Herz und Elegenaz - wegführend, um auf die großen Erstweine neugierig zu machen. Eine überdimensionierte Lagerzeit ist oft nicht nötig. Viele Vorzüge, die gerade die (noch unterschätzten) Zweitweine bieten. 

 

Was sollte ich beim Kauf eines Grand Crus Beachten?

Zunächst sollten Sie sich selbst fragen, was Sie von einem Grand Cru erwarten. Möchten Sie im Geschmack merken, dass er edle Züge hat, ohne dabei einen Klein-Kredit aufnehmen zu müssen? Dann ist der Einstieg mit einem guten Saint-Émilion sehr zu empfehlen. Diese überwiegend Merlot-geprägten Rotweine sind bekannt für ihren weichen Geschmack und ihre elegante Abrundung.

Mögen Sie es gerne kompakter und kräftiger? Dann lohnt sich der Blick ins Médoc und Pauillac. Eleganz und Feinheit, gepaart mit feinen Fruchtaromen und gaumenfüllender Kraft. Die meisten dieser Weine dürfen auch etwas gelagert werden. Wer Merlot schätzt, gleichzeitig aber Tabak, Röstnoten und Würze schätzt, der ist in Pomerol an der besten Adresse. Hier ist die Anzahl an Weingütern sehr überschaubar und die Preislage durchweg etwas gehobener - nicht zuletzt durch die Tatsache, dass hier einer der teuersten Bordeaux-Weine vinifiziert wird: Château Petrus. Übrigens auch das einzige Weingut, das eine angebotene Grand Cru-Klassifizierung abgelehnt hat! Das gab es noch nie! Petrus ist teuer. Petrus ist selten. Petrus erfordert Fingerspitzengefühl. Der verantwortliche Mann für Petrus heißt Jean-Pierre Moueix. Sein Sohn, Christian Moueix, ist auch schon eine große Winzerpersönlichkeit in Bordeaux. Und der hat sein handwerkliches Können bei ein paar anderen - und bezahlbaren - Weinen unter Beweis gesetzt, z. B. Château La Commanderie aus dem Lalande de Pomerol. 



Hier noch ein Feinschmecker-Tipp: die Sateliten-Regionen in Bordeaux. Darunter versteht man das Lalande Pomerol ebenso wie das Montagne- und das Puisseguin Saint-Émilion. Es sind "vorgelagerte" Regionen mit ähnlichen Bodenbeschaffenheiten, die ihre Zugehörigkeit durch den namen der Region zeigen und oft preisgünstige, geschmackvolle Weine bieten, die absolut überraschen können. 

 

Aber muß es denn überhaupt ein Grand Cru sein?

Diese Frage ist absolut berechtigt. Nicht zuletzt sind ja schon die Zweitweine in den meisten Fällen nicht klassifiziert. Die Cru Bourgeois bilden eine eigene Klasse und sind oftmals preislich interessant - außer es sind große Namen anzutreffen wie der Château Phelan Ségur aus dem Saint-Éstephe, welcher der Lieblingswein des Schauspielers Anthonie Hopkins ist. Sein Preis hat sich - nicht wegen des Schauspielers - in den letzten 10 Jahren fast verdreifacht.

Aber es gibt Wein-Ikonen völlig ohne Star-Allüren und ohne Grand Cru-Stempel, die man als echter Rotweinliebhaber, Bordeaux-Kenner, Feinschmecker und Genussmensch einfach einmal probiert haben sollte. Eine besondere Empfehlung ist hier Château Gloria aus dem Saint-Julian.

Die Geschichte sagt, dass es am Anfang nichts weiter gab, als eine kleine Parzelle und ein völlig verfallenes Gemäuer. Einige behaupten sogar, dass lediglich das Toilettenhäuschen stabil auf der Erde gestanden hätte. Aber das alles interessierte den Visionär Henri Martin nicht. Er erwarb die Parzelle 1940. Und dan wartete er. Warum er wartete? Weil er ein Fuchs war! Das kleine Stück Land grenzte nämlich überall an renomierte, bekannte Weingüter, die oft Grand Cru-klassifiziert waren. Die wirtschaftlichen Umstände deuteten darauf hin, dass der eine oder andere Winzer bald in Schwierigkeiten geraten könnte. Henri Martin brauchte nur zu warten - und die Zeit spielte ihm in die Hände. Nach und nach konnte er von den umliegenden Weingütern Parzellen zu günstigen Preisen kaufen - der Grundstein für Château Gloria! Als Cru Bourgois klassifiziert gilt er unter Kennern als einer der unterschätztesten Weine und einem Rotwein auf Grand Cru-Niveau!

 

Solche Geschichten sind es, die das Thema Bordeaux so spannend und lebendig machen. Und Bordeaux erlebt gerade eine Zeit der Veränderungen. Gesucht wird die richtige Balance zwischen Tradition aus der Vergangenheit und Transformation in Richtung Zukunft. Und auf dem langen Weg dahin ist erst der kleine Anfang geschafft. Demografische Veräbnderungen, ein verändertes Konsumverhalten, wirtschaftliche Komplikationen, veränderte Lebensgewohnheiten und ein Robert Parker in Rente - Bordeaux muß sich neu erfinden, ohne seine Wurzeln zu vergessen. Das, was Bordeaux so besonders macht, schmeckt man unverwechselbar mit jedem Glas Margaux oder Pomerol. Die bisher mit einem engen Kreis an Weinsammlern und Weinkennern aus aller Welt agierende bordelaiser Gemeinschaft muß sich öffnen und in Transparenz üben. Sie muß den interessierten Wein-Konsumenten von heute neu für sich begeistern und von sich überzeugen.

Hier wie versprochen weitere Blog-Beiträge, passend zum heutigen Thema:

Bordeaux, Robert Parker und vom Erdbeben in der Weinwelt

Rioja: Spaniens Antwort auf die großen Weine Frankreichs - spannend wie selten zuvor!

Was ist guter Wein? - Ein geschmackvolles Drama in drei Akten!

 

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