Wein-Werkzeuge - welches man wirklich braucht und haben sollte

+++ Wein-Werkzeuge - welches man wirklich braucht und haben sollte ... und welche Wein-Zubehörsachen eher Spielerei sind. +++ Welcher Korkenzieher ist der Richtige? +++ Vom Champagnersäbel bis zum Tropfenring - wir werfen einen Blick auf die gängigsten Accessoires! +++

 

Liebe Weinfreunde,

in vielen Haushalten liegen sie achtlos und oft durcheinander in der Schublade: Flaschenöffner für Wein, KapselschneiderVerschlüsse. Nicht selten sind Stücke dabei, die schon quietschen, nicht mehr richtig im Korken greifen wollen, weil die Spitze der Spirale schlicht und einfach stumpf geworden ist. Oder man hat nicht mehr die Kraft wie vor zehn Jahren, als man den Flaschenöffner für kleines Geld gekauft hatte. Und manchmal pfeffert sogar mal eine Flasche zu Boden, weil man trotz schweißtreibender Anstrengung den Korken einfach nicht rauskriegt. Auch die gesammelten Museumstücke aus Großmutters Zeiten sind schön anzusehen, wiegen nicht selten ordentlich viel in der Hand, eignen sich aber seltener für einen sauberen Schnitt an der Kapsel oder dem leichtgängigen Öffnen einer guten Flasche Wein. - Hier sei erwähnt: für solche Stücke gibt es Sammler und Liebhaber. 

Aber für alles andere gilt: mit den Weinwerkzeugen ist es eben wie man anderen Werkzeugen auch. Nicht jeder kann mit jedem gleich gut umgehen. Oder anders ausgedrückt: nicht jedes Werkzeug ist für jeden das Richtige. Kraft und Geschick liegen bei jedem unterschiedlich. Öffne ich nur ein paar Flaschen günstigeren Wein pro Jahr, brauche ich kein Profigerät für mehrere hundert Euro. Liegen aber Flaschen im Wert von mehreren Tausend Euro in meinem Regal, die zudem auch noch teilweise ein stolzes Alter von einem Jahrzehnt und mehr haben, sind hundert Euro für einen Flaschenöffner keine große Investition. Und während man bei einem kleinen Primitivo kaum einen Belüfter auf der Flasche benötigt, hat der Bordeaux-Trinker nicht nur das Feinsieb für das Depot zur Hand, sondern auch beste Weingläser und den Dekanther bereit. 

Aber welche Weinwerkzeuge sollte man wirklich zuhause haben? Welche machen Sinn und welche kann man getrost lassen? Hier ein kleiner (!) Überblick:

 

Kapselschneider: fast jeder Wein ist mit einer Kapsel über dem Korken geschützt. Um diese sauber abzutrennen, ist ein Kapselschneider für wenige Euro sinnvoll. Er wird aufgesetzt, einem im Kreis bewegt, und schneidet damit sauber den Kapselkopf ab, unter dem der Korken zum Vorschein kommt. Viele Kellnermesser haben aber auch schon ein Messer als Kaspselschneider integriert.

 

Kellnermesser: klein, leicht zu verstauen, mit einklappbarem Korkenzieher, Kapselschneider-Messer und einem Hebel ausgestattet ist das Kellnermesser einer der gängigsten Korkenzieher. Oft ist am Hebel noch ein zweites, bewegliches Gelenk untergebracht, um auch lange Korken besser aus der Flasche per Hebelwirkung ziehen zu können. Die Qualitäten reichen von Plastik für wenige Euro für gelegentlichen Einsatz bis zu mehrere hundert Euro mit edlen Hölzern, ergodynamischer Linienführung, Perlmutt-Griffen und extrem dünnen Stahlspiralen aus mehrfach gefaltetem Stahl. Die Feinheit und Dicke der Spirale ist entscheidend, wieviel Volumen sie beim Eindrehen in den Korken verdrängt. Bei dünnen Spiralen ist das Risiko von Korkbrocken im Wein geringer, die beim Austreten der Spirale aus dem Korken in den Wein fallen könnten.

 

Elektrische Korkenzieher: diese Geräte haben sich auf breiter Fläsche stärker durchgesetzt. Der Korken wird sauber per Knopfdruck aus der Flasche befördert. Aber Achtung: eine Kraftdosierung wie bei einem Kellnermesser, wenn der Korken zu fest in der Flasche sitzt und erst behutsam gelockert werden muß, ist bei den Standardgeräten nicht eingebaut. Dafür legt man gut hundert Euro hin. Aber zugegeben: eine wertvolle Flasche öffnet man stilsicher besser mit dem Kellnermesser. Ansonsten sind elektrische Korkenzieher ab dreißig Euro empfehlenswert, besonders wenn man weniger Kraft beim Öffnen investieren möchte oder eine große Zahl an Flaschen pro Tag geöffnet wird (bei einer Feier und ähnlichen Anlässen). Denn mit steigendem Alkoholkonsum fällt das Öffnen von Weinflaschen zunehmend schwerer - sogar beim Drehverschluß.

 

- Tropfenfänger: braucht man nicht. Mit dem Argument, dass keine Tropfen auf die edle Tischdecke oder über das wertvolle Etikett laufen sollen, wurden Massen davon ans Volk gebracht. Der Stoffbezug im Tropfenfänger kann aber die Feuchtigkeit niergendwohin abgeben. Entsprechend sammeln sich Tropfen darin, was es nötig macht, sich öfter neue Tropfenfänger zu kaufen. Deshalb sind sie auch günstig. Und sehen an der Flasche nett aus mit dem edlen, purpurfarbenen Stoff. Das war´s dann aber auch schon. Aber sie vermitteln zumindest den Eindruck von Sauberkeit - und deshalb wird er gekauft. Fertig.

 

Ausgießer: sauberes Ausgießen ohne Tropfen auf dem Etikett oder der Tischdecke, treffsicher in die Mitte des Glas treffen beim Einschenken - sie machen den Tropfenfänger unnötig. Edel und elegant sieht es obendrein aus. Es gibt sie aus Kunststoff oder - eher zu empfehlen - aus Metall in vielfältigen Designs. Es gibt Ausgießer schon für kleines Geld bis knapp dreißig Euro. Die besseren sind hochwertig, schön designt und bieten darüber hinaus oft Zusatznutzen wie Belüftung über eingebaute Strömungskanäle, Filterung durch eingebautes Sieb oder auch Verschlußmöglichkeiten durch eine bewegliche Kugel. Gute Investition, auch wenn man weniger oder einfachere Weine trinkt.

 

Belüfter: trinkt man Weine, die im Fass lagen oder aus einer Rebsorte hergestellt wurden, die sich mit Sauerstoff erst entwickelt, machen die Belüfteraufsätze definitiv Sinn (siehe Ausgießer). darüber hinaus gibt es Profigeräte, die mit hochwertigsten Feinsieben ausgestattet sind, um bei Pinot Noir oder älteren Weinen das Depot (Rest von Traubenfleisch, dass sich in der Flasche bei lagerung am Boden ansammeln kann) herauszufiltern. Einfache Belüfter sind bis dreißig Euro schon sehr sinnvoll. Profibelüfter für Wein, Spirituosen oder für den Schow-Effekt als Table Tower kosten zwischen sechzig und zweihundert Euro.

 

Dekanter: ganz einfache Antwort: ja, wenn Sie auch Weine ab acht Euro und mehr trinken! Auch für Weißweine geeignet, die im Fass ausgebaut wurden. Und für Portwein. Oder einfach als Blumenvase, wenn keiner hinsieht. Effekt: durch Geduld und Standzeit des Weins im Dekanter gewinnen die Elemente des Weins durch Sauerstoffeinfluß an Harmonie. Gute Weine wie BordeauxBourgogne oder Barolo sollten immer dekantiert werden und brauchen eine Lüftungszeit bis zu drei Stunden.

 

- Kühlsteine: immer häufiger findet man die Kühlsteine in den Spirituosenbereichen. Häufig aus Marmor oder sogar Edelstahl. Diese Würfel sind lebensmittelecht, werden im Tiefkühlschrank gelagert. Dort speichern sie die Kälte. Für den Gebrauch gibt man einen oder zwei Würfel ins Glas und der Inhalt wird angenehm heruntergekühlt. Das funktioniert wirklich! Besonders, wenn man bekennender Fan von Whisky, Rum, Cognac oder Gin ist - also Spirituosen-Liebhaber -, sollte man diese Chill-Rocks oder Kühlsteine auf jeden Fall zuhause haben. Vorteil: anders als man Eiswürfeln "verwässert" z. B. der Whisky nicht. Nach Gebrauch werden die Steine wieder abgespült, getrocknet und wandern bis zum nächsten Einsatz wieder im Tiefkühlschrank. Für eine Weinschorle sind sie aber auch zu verwenden. Bei einem 1989er Chablis 1er Cru oder einem Sauternes würde ich sie aber lieber nicht einsetzen. Und was bei Sekt und Champagner passiert, sieht man wenn man die Steine in Cola oder Pepsi oder jedes andere Kohlensäurehaltige Getränk gibt: tot! Direk! Säure weg, still wie sonst was wird´s dann. Also bitte keinen Taittinger oder Ruinart damit kühlen!

 

Weingläser: es gibt Weine, die schmecken sogar aus dem Wasserglas. Tatsache. Aber auch Tatsache: sie schmecken anders (und oft besser), wenn sie aus einem Weinglas getrunken werden. Standardweingläser kosten ab vier Euro pro Stück, sind nicht zu dünnwandig. Verschiedene Hersteller bieten auch Gläser, die im Haushalt für Rotwein als auch Weißwein gleichermaßen verwendet werden können. Ansonsten gibt es Unterschiede. Süßweine haben eine besondere Form, damit die Süße einen bestimmten Punkt auf der Zunge trifft. Rotweingläser für edle, schwere Weine sind bauchiger und größer, Riesling-Gläser schlanker. Hier am besten entsprechend seinem eigenen Weinkonsum beraten lassen. Sinnvolle Investition? Auf jeden Fall!

 

Champagnersäbel: absoluter Show-Effekt, der richtig teuer werden kann, wenn eine Flasche Roederer Champagner ungeübt schwungvoll damit geöffnet werden soll. Ein Champagnersäbel sieht in der Vitrine einfach nur großartig aus und macht Sinn, wenn man den Videokurs im Internet angesehen und mit vielen billigen Sektflaschen geübt hat.

 

Vakuumpumpe: die Flasche wurde geöffnet und man weiß genau, die ganze Flasche wird nicht getrunken. Dann einfach mit Vakuum-Stopfen verschließen und mittels Pumpe Sauerstoff entziehen. Die Entwicklung des Weins bis zum sauren Essig wird dann gehemmt. Wohlbemerkt: nicht über Jahre oder Wochen, sondern nur bis zum nächsten oder übernächsten Tag. Sollte man haben. Macht aber keinen Sinn, wenn die Rotweinflasche bei der Feier schon sechs Stunden offen in der Sonne stand. Für Weine in der Premiumklasse zu mehreren hundert Euro die Flasche gibt es den sogenannten Coravin. Hier wird mittels Nadel ein kleiner Teil des Weins direkt ins Glas gefüllt ohne den Korken dafür ziehen zu müssen. Es findet ein Gas-Austausch statt, so dass der Wein tatsächlich über Monate im Keller bleiben darf und nicht verdirbt. Kleiner Nachteil: allein der Coravin kostet in der Anschaffung mehr als eine Flasche Château La Fleur Petrus.

 

- Kühler: ob aus Metall oder Ton oder einfach als Manchette, besonders im Sommer möchte man auf dieses praktische Teil nicht verzichten. Und aus hochwertigem Edelstahl sieht ein Kühler designtechnisch auf dem Tisch auch edel aus, wenn Gäste zu Besuch sind.

 

- Wein-Thermometer: die richtige Temperatur kann den Geschmack eines Weins sehr positiv oder vernichtend negativ beeinflussen. Ein Barolo kühlschrank-kalt ist genauso weniger zu empfehlen wie ein Riesling mit warmen 18 Grad. Aber auch innerhalb einer Farbgruppe spielt die richtige Temperatur eine große Rolle. Chardonnay kann durchaus mit der Hand etwas angewärmt werden und entfaltet sich dann besser wie ein kühlschrankkalter Silvaner. Also: ja, ein Wein-Thermometer macht Sinn und sollte man haben. Wichtig: wo soll die Temperatur gemessen werden? Für Standardweine und günstigere Tropfen reicht häufig schon die Weinmanchette. Sie misst die Temperatur von außen an der Flasche annährend genau, aber durch das Glas gibt es schon geringfügige Differenzen, die man die dem Fall aber vernachlässigen kann. Aber wenn es darauf ankommt, ob der Wein 14 oder 16 Grad hat, sollte die Temperatur im Wein, also in der Flasche gemessen werden. Also: ein Thermometer ist sinnvoll im Beitz zu haben.

 

- Alterungs-Spekulation mit dem Clef du Vin: ein nettes Gerät, für das es Fans und Skeptiker gleichermaßen gibt. Mit einem Metall-Chip, der kurz in das Glas gehalten wird soll erahnt werden können, wie sich der Wein mit der Lagerung über die Jahre entwickelt. Eine bestimmte Anzahl von Sekunden soll dabei eine bestimmte Anzahl von Alterungsjahren entsprechen. Sie sehen schon, wie vorsichtig wir uns dabei ausdrücken. Der Grund ist einfach: es ist in einem gewissen Rahmen eine kleine Spekulation und keine garantierte Aussage über den Reifeprozess. Aber für Wein-Liebhaber ist  der Clef du Vin auf jeden Fall ein schönes, nettes und außergewöhnliches Geschenk. Kategorie: "Geschenk für jemanden, der sonst schon alles hat", wenn Sie verstehen was wir meinen.

 

- Coravin: glasweise edle Weine entnehmen, ohne die Flasche öffnen zu müssen. In erster Linie für die Gastronomie angedacht und auf das Bedürfniss hin entwickelt, nicht immer gleich eine Flasche für nur 1 Glas entkorken zu müssen, hat das Gerät besonders bei teuren und seltenen Flaschen seinen speziellen Einsatz. Dabei wird mittels einer feinen Nadel per sensibler Pumpe nur die Menge eines Glases aus der Flasche entnommen und durch ein Gas ersetzt. Die feine Nadel dringt durch den Korken, ohne ihn zu verletzen. Die Flasche braucht deshalb nicht entkorkt zu werden. Wird die nadel wieder aus dem Korken gezogen, verschließt sich der Korken wieder automatisch und der Wein kann bis zum nächsten Glas wieder ins Weinregal wandern. Inzwischen haben sich auch viele Weinsammler und Liebhaber tuerer und seltener Weine im Privat-Sektor einen Coravin aus dem gleichen Grund zugelegt.Sinnvoll ist diese (hohe) Investition, wenn Sie Weine ab ca. 100,- € aufwärts in Ihrem Keller haben und den Vorteil genießen möchten, auch ohne den Verlust der ganzen Flasche ein Glas 2004er AAA Marques de Grinon genießen zu können. 

 

An Weinzubehör und -werkzeugen gibt es natürlich noch viel, viel mehr. Allein die Gruppe der Flaschenöffner würde diesen Rahmen sprengen. Wein-Thermometer, Zauberschlüssel, die den Wein in Sekunden reifer erscheinen lassen, Aroma-Spiele, Whisky-Steine - all das und noch viel mehr ist möglich. Ein bißchen stöbern? Jetzt einfach hier klicken. Und für eine Beratung einfach bei uns vorbeikommen. 

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